'real' - 'fiktional' - 'virtuell'.

Möglichkeiten und Probleme von 'Klangräumen'

Dirk Kohlhaas



Abstract

Im Prozess einer medial bedingten kulturellen Umcodierung seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts kann verstärkt die künstlerische Thematisierung veränderter Wirklichkeitsvorstellungen beobachtet werden, die fortschreitend nach dem Verhältnis von Realität und Fiktion fragt. Geographische, architektonische, elektronische und körperliche ‚Räume’ werden häufig mit Hilfe von Schall ‚erforscht’ und dem wahrnehmenden Rezipienten ‚erlebbar’ vermittelt, indem er immersiv in entsprechend konstruierte ‚Klangräume’ eingebunden wird. Dabei werden transformative Verfahrensweisen angewandt, die interessanterweise Parallelen zu Phänomenen aktueller theoretischer Konzeptionen des ‚Virtuellen’ aufweisen.

Bei dem Versuch, unser gewohntes, kulturell tradiertes Verständnis des Verhältnisses von Realität und Fiktion aufzubrechen und es somit überhaupt beschreibbar zu machen, versagen die konventionellen Modelle musikwissenschaftlicher Methodik; und das obwohl gerade ‚Musik’ und ‚organisierter Klang’ als entmaterialisiert-interaktive Schnittstelle zwischen dem wahrnehmenden Menschen und dem virtuellen Möglichkeitsfeld in nahezu allen medial geprägten Lebensbereichen funktionalisiert werden.

Die Studie versucht mit kulturwissenschaftlichen Strategien, aus den beobachteten Phänomenkonstellationen gewonnene ‚Partikel’ transdisziplinär zu vernetzen. Dabei können – je nach Kontextualisierung – aus musikologischer Perspektive dynamische und offene Fragestellungen entwickelt und benannt werden, die die Konstituenten kultureller Umcodierung thematisieren.

Die vorliegende Untersuchung ist – mit Blick auf die Online-Publikation – eine geringfügig überarbeitete Fassung meiner Magisterarbeit, die 2003 unter der Betreuung von Prof. Dr. Erik Fischer an der Universität Bonn angenommen wurde.


Autor

Dirk Kohlhaas, geb. 1972 in Hermeskeil bei Trier; studierte Musikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; daneben Praktika und Mitarbeiten im Medien-, Kunst- und Kulturbereich; seit 2004 wissen­schaftlicher Mitarbeiter am interkulturellen Forschungsprojekt „Deutsche Musikkultur im östlichen Europa“ an der Abteilung für Musikwissenschaft/Sound Studies der Universität Bonn; dort im Sommersemester 2005 und in den Wintersemestern 2007/08 und 2008/09 zudem Lehrbeauftragter.